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Beckenbodentraining Mann: Übungen für Blase, Prostata und Kontinenz

Markus Vogler

Markus VoglerFachredakteur für Nahrungsergänzung und Lebensmittelkennzeichnung, kein Arzt Redaktionell erstellt

Trockene, stachelige Früchte von Tribulus terrestris und ein Häufchen braunes Pulver auf hellem Untergrund
Trockene, stachelige Früchte von Tribulus terrestris und ein Häufchen braunes Pulver auf hellem UntergrundSymbolbild

Beckenbodentraining Mann klingt nach einem Frauenthema, ist aber für viele Männer ein Weg, die Kontrolle über die Blase zu behalten oder zurückzugewinnen, etwa nach einer Operation an der Prostata. Die Muskeln dort sind unsichtbar, und die meisten wissen nicht, wie sie sie finden. Dieser Beitrag zeigt, wo der Beckenboden liegt, was Studien zum Nutzen sagen, wie Sie die Muskeln erspüren, acht Übungen mit Anleitung, einen Plan für zwölf Wochen und wann Training nicht passt.

Kurz & knapp

  • Der Beckenboden trägt Blase und Darm, hält dem Druck beim Husten und Niesen stand und enthält den Schließmuskel; Training kann ihn kräftigen und das Loslassen schulen.
  • Die Studienlage bei Männern ist gemischt: Nach Prostataoperationen kann Training die Rückkehr der Kontinenz beschleunigen, der Dauernutzen ist unsicher, bei gutartiger Vergrößerung gibt es kaum Studien.
  • Gefunden wird der Beckenboden im Liegen und bei ruhiger Atmung: sanft nach innen und oben ziehen, nicht Po, Oberschenkel oder Bauch anspannen. Den Urinstrahl beim Wasserlassen zu unterbrechen ist keine Übung.
  • Der Plan über zwölf Wochen beginnt mit einer Einheit am Tag und kurzem Halten und steigert sich langsam; Entspannung gehört in jede Einheit.
  • Bei Schmerzen im Becken, nach Operationen und bei Blut im Urin zuerst ärztlich oder physiotherapeutisch klären.

Wo der Beckenboden liegt und was er tut

Der Beckenboden schließt das Becken nach unten ab wie der Boden eines Raumes. Er besteht aus mehreren Muskelschichten und Bindegewebe, die sich zwischen Schambein, Kreuzbein und den beiden Sitzbeinhöckern aufspannen. Er stützt Blase und Darm, und er hält dem Druck stand, wenn Sie husten, niesen, lachen oder etwas heben. Zu ihm gehören auch Schließmuskeln: Der innere am Blasenausgang arbeitet unwillkürlich, der äußere unter Blase und Prostata lässt sich bewusst anspannen, und um ihn geht es beim Training.

Beckenboden und Zwerchfell arbeiten im Takt. Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell, und der Beckenboden gibt nach; beim Ausatmen hebt sich das Zwerchfell, und der Beckenboden spannt von selbst ein wenig an. Deshalb gehört die Atmung zu jeder Übung, und deshalb atmen Sie bei Anstrengung aus, statt die Luft anzuhalten.

Für wen Beckenbodentraining gedacht ist

Beckenbodentraining ist vor allem für drei Gruppen gedacht. Die erste sind Männer nach einer Operation an der Prostata, deren Kontinenz sich erst erholen muss: Nach radikaler Prostatektomie leidet nach Angaben der Münchner Kontinenzspezialistin Ricarda Bauer im Deutschen Ärzteblatt (2016) dauerhaft jeder fünfte bis zehnte Mann an Inkontinenz. Die zweite Gruppe sind Männer, die bei Anstrengung ungewollt Urin verlieren. Anders als Frauen, die oft beim Niesen oder Husten nässen, geschieht das bei Männern meist bei längerer körperlicher Belastung, etwa beim Wandern oder bei der Gartenarbeit. Die dritte Gruppe sind Männer mit Drangbeschwerden, bei denen Blasentraining und Beckenboden zusammenwirken sollen. Wer dagegen Schmerzen im Becken hat oder wegen Beschwerden beim Wasserlassen noch ohne Diagnose ist, klärt zuerst die Ursache.

Was Beckenbodentraining beim Mann bringt: der Stand der Studien

Bei Männern ist die Forschung dünn und konzentriert sich auf einen Anlass: die Operation an der Prostata. Nach einer radikalen Prostatektomie wegen Krebs verlieren viele Männer zunächst Urin. Eine Cochrane-Übersicht von 2023 mit 25 Studien und 3.079 Männern kam zu dem Schluss, dass der Wert konservativer Maßnahmen wie Beckenbodentraining, allein oder kombiniert, unsicher bleibt: Die Studien sind klein, die Technik uneinheitlich. Spätere Metaanalysen sahen dagegen, dass Training die Zeit bis zur Kontinenz verkürzt. Die EAU-Leitlinie von 2026 gibt deshalb nur eine schwache Empfehlung: Männern nach einer radikalen Prostatektomie solle Training, allein oder mit Biofeedback und Elektrostimulation, angeboten werden, um die Erholung zu beschleunigen. Ob betreutes Training besser ist als eine schriftliche Anleitung, gilt als umstritten; zwei Studien fanden keinen Unterschied.

Bei der Abtragung der Prostata durch die Harnröhre (TUR-P) änderte Training die Häufigkeit von Inkontinenz in einer Studie nicht, nach einer Laser-Enukleation (HoLEP) brachte vor dem Eingriff begonnenes Training die Kontinenz schneller zurück. Für Männer ohne Operation, mit Harndrang oder gutartiger Vergrößerung (mehr im Beitrag Prostata vergrößert), sind Studien rar. Die EAU hält Entspannungstechniken für den Beckenboden bei Entleerungsstörungen für hilfreich, stützt das aber nur auf niedrige Evidenz. Der Nutzen für die Blase ist hier also plausibel, aber nicht belegt.

Den Beckenboden finden

Die meisten Männer spüren den Beckenboden zum ersten Mal, wenn sie ihn gezielt suchen. Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine angestellt, und atmen Sie ruhig. Stellen Sie sich vor, Sie müssten Urin einhalten, und ziehen Sie den Schließmuskel sanft nach innen und oben. Spürbar ist ein leichtes Ziehen am Damm. Lösen Sie danach bewusst.

Typische Fehler sind Mitspannen von Po, Oberschenkeln und Bauch, Luftanhalten oder Pressen und fehlendes Entspannen nach der Anspannung. Auch der verbreitete Rat, den Urinstrahl beim Wasserlassen zu unterbrechen, um die Muskeln zu testen, taugt nicht als Übung. Die Physiotherapie am Universitätsklinikum Essen rät in ihrem Programm nach Prostataoperationen, den Strahl nie anzuhalten und sich das Unterbrechen nur vorzustellen. Fällt das Finden schwer, hilft eine Physiotherapie mit Biofeedback, denn dort sehen Sie auf dem Bildschirm, ob sich der richtige Muskel bewegt.

Acht Übungen mit Anleitung

Das Programm stammt von der Redaktion und folgt gängigen physiotherapeutischen Anleitungen; in einer Studie geprüft ist es als Ganzes nicht. Geübt wird zunächst liegend und am besten morgens, wenn der Beckenboden ausgeruht ist. Spannen Sie anfangs nur sanft an, etwa mit einem Drittel der möglichen Kraft, und atmen Sie weiter.

  1. Wahrnehmen (Rückenlage). Beine angestellt, eine Hand auf dem Bauch. Ruhig ein- und ausatmen und beobachten, wie sich der Beckenboden beim Einatmen senkt und beim Ausatmen leicht hebt. Zwei Minuten, noch ohne Anspannung.
  2. Halten (Rückenlage). Beim Ausatmen den Beckenboden sanft nach innen und oben ziehen, drei bis fünf Sekunden halten, weiteratmen, dann bewusst lösen und doppelt so lange pausieren. Acht Wiederholungen.
  3. Kurz anspannen (Rückenlage). Zwei Sekunden anspannen, zwei Sekunden lösen, im Wechsel, zehn Wiederholungen. Das schult die schnelle Reaktion, die beim Husten gebraucht wird.
  4. Stufen (Rückenlage). In drei Schritten immer ein wenig fester anspannen, oben kurz halten und in drei Schritten wieder lösen. Fünf Wiederholungen.
  5. Bauchatmung (Rücken- oder Seitenlage). Hände auf den Bauch, durch die Nase einatmen und den Bauch heben, den Beckenboden dabei loslassen, durch den Mund ausatmen. Zehn Atemzüge; Entspannung ist Teil des Trainings.
  6. Brücke (Rückenlage). Beim Ausatmen das Becken anheben, den Beckenboden sanft anspannen, oben kurz halten, beim Einatmen langsam absenken und lösen. Acht Wiederholungen.
  7. Sitzen (Stuhl). Aufrecht auf den Sitzbeinhöckern, Füße flach auf dem Boden. Beim Ausatmen anspannen, fünf Sekunden halten, lösen. Acht Wiederholungen, später auch im Büro.
  8. Alltag, der „Knack“. Vor dem Husten, Niesen, Heben oder Aufstehen beim Ausatmen den Beckenboden kurz anspannen. Beim Wasserlassen nie anspannen, alles loslassen.

Atmen Sie bei jeder Übung weiter, und halten Sie die Spannung nicht länger, als Sie sauber lösen können. Spüren Sie Schmerzen oder ein Ziehen im Unterbauch, oder wird der Strahl beim Wasserlassen schwächer, reduzieren Sie oder brechen Sie ab und fragen die Praxis. Wer nach einer Operation übt, beginnt mit dem Programm der Klinik und ergänzt diese Übungen erst nach Rücksprache.

Trainingsplan für zwölf Wochen

Wichtiger als Kraft ist Regelmäßigkeit. Der Plan ist ein Vorschlag und steigert sich langsam.

Woche Übungen Halten Wiederholungen Häufigkeit
1 und 2 1, 2, 3 3 Sekunden 8 einmal täglich, liegend
3 und 4 1 bis 4, dazu 5 zur Entspannung 5 Sekunden 8 bis 10 einmal täglich
5 bis 8 2 bis 6 5 bis 8 Sekunden 10 ein- bis zweimal täglich
9 bis 12 2 bis 8 8 bis 10 Sekunden 10, dazu der Alltagseinsatz zweimal täglich, auch im Sitzen und Stehen

Tipp: Die Tabelle lässt sich seitlich verschieben.

Gedulden Sie sich: Nach einer Prostataoperation braucht die Kontinenz Zeit, und erst wenn regelmäßiges Training nach sechs bis zwölf Monaten nicht geholfen hat, rücken weitere Verfahren in den Blick. Häufig wollen Männer zu viel auf einmal und übernehmen sich, berichtete Ricarda Bauer im Ärzteblatt; besser ist, sich an den vorgegebenen Umfang zu halten. Verändert sich nach zwölf Wochen nichts, lassen Sie Ihre Technik in einer Physiotherapie prüfen.

Wann Training nicht passt: Verspannung, Schmerzen, frisch operiert

Nicht jeder Beckenboden ist zu schwach. Bei Männern mit Schmerzen im Becken oder am Damm kann er verspannt sein, und mehr Anspannung kann die Beschwerden dann verstärken. Eine texanische Auswertung von Krankenakten (ohne Vergleichsgruppe) bei 136 Männern nach Prostataentfernung fand bei 98 von ihnen einen zugleich schwachen und verspannten Beckenboden. Ein Programm, das erst entspannte und dann kräftigte, verringerte Vorlagenverbrauch und Beckenschmerzen; reine Kräftigung nach Art der Kegel-Übungen hielten die Autoren nicht für ausreichend. Bei anhaltendem Beckenschmerz, wie er bei einer chronischen Prostataentzündung vorkommt (mehr unter Prostata-Entzündung), beginnt das Training deshalb mit Entspannung und unter Anleitung.

Nach einer Operation gelten die Vorgaben der Klinik, etwa zu Heben, Radfahren und Bauchmuskeltraining. Üblich ist, mit dem Training sieben bis zehn Tage nach dem Entfernen des Katheters zu beginnen, wie die EAU-Leitlinie festhält. Zur Praxis gehen Sie, wenn Urin nach einigen Monaten weiter ungewollt abgeht, wenn Blut im Urin erscheint oder wenn Übungen Schmerzen auslösen. Warum der Harndrang auch ohne Operation zunehmen kann, erklärt Häufiger Harndrang beim Mann.

Was Übungen ergänzen kann und was nicht

Pflanzliche Präparate verändern die Beckenbodenmuskulatur nicht. Wer parallel über Kapseln für die Prostata nachdenkt, findet die Einordnung der Pflanzen und der Rechtslage im Ratgeber Prostata Tabletten und Kapseln und der Bericht zu Uroprostan. Sie ersetzen weder die Übungen noch die Abklärung der Ursache.

Wann zum Urologen?

Gehen Sie in die urologische Praxis, wenn Sie ungewollt Urin verlieren und es nach einigen Monaten Training nicht besser wird, wenn Blut im Urin erscheint, der Strahl schwächer wird oder Übungen Schmerzen im Becken auslösen. Nach einer Operation fragen Sie die Klinik nach Physiotherapie. Bei Harnverhalt rufen Sie die 112.

Fragen und Antworten

Wie oft am Tag sollte ich den Beckenboden trainieren?

Zu Beginn einmal täglich, liegend und am besten morgens, wenn der Beckenboden ausgeruht ist; so sieht es auch das Programm der Physiotherapie am Universitätsklinikum Essen vor. Später lassen sich eine zweite Einheit und der Einsatz im Alltag ergänzen.

Wie lange dauert es, bis Beckenbodentraining wirkt?

Das ist individuell. Nach einer Prostataoperation kann sich die Kontinenz noch viele Monate bessern. Hat regelmäßiges Training nach sechs bis zwölf Monaten nicht geholfen, stehen laut Ärzteblatt weitere Verfahren bereit, auch operative. Ohne Operation, etwa bei Harndrang, sollten Sie nach einigen Wochen prüfen, ob sich etwas verändert hat, und die Technik sonst kontrollieren lassen.

Ist das Anhalten des Urinstrahls eine gute Übung?

Nein. Als einmaliger Test, um die Muskeln zu finden, mag es dienen, als Übung nicht. Die Physiotherapie am Universitätsklinikum Essen rät ausdrücklich, beim Wasserlassen den Strahl nie anzuhalten und sich das Unterbrechen nur vorzustellen. Üben Sie im Liegen oder Sitzen, und lassen Sie beim Wasserlassen alles locker.

Wie finde ich eine Physiotherapie für den männlichen Beckenboden?

Die Praxis kann Physiotherapie verordnen. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft hat laut Ärzteblatt eine Liste zertifizierter Kontinenz- und Beckenboden-Zentren erstellt, auf die Ärztinnen und Ärzte bei der Verordnung zurückgreifen können. Fragen Sie nach Erfahrung mit dem männlichen Beckenboden und nach Biofeedback.

Kann ich schon vor einer Prostataoperation trainieren?

Möglich ist es, doch die Studienlage ist uneinheitlich: Die EAU-Leitlinie sieht vor einer radikalen Prostatektomie keinen zusätzlichen Nutzen und hält die Rolle des Trainings vor dem Eingriff für nicht geklärt; nach einer Laser-Enukleation beschleunigte vorher begonnenes Training in einer Studie die Rückkehr der Kontinenz. Ob und wie Sie vorher üben, besprechen Sie mit dem Operationsteam.

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